Manche Fotos bleiben hängen. Sie erzählen eine Geschichte. Man schaut sie an und fühlt etwas. Neugier, Rührung, Spannung. Das ist die Kraft eines erzählenden Fotos. Und nein, das entsteht nicht einfach so. Es ist eine bewusste Arbeitsweise – ein Spiel aus Licht, Komposition, Timing und vor allem: Intention.
In diesem Blog nehme ich dich mit in meine Herangehensweise. Wie macht man ein Foto, das nicht nur schön ist, sondern etwas erzählt?
🎞 Was ist ein erzählendes Foto?
Ein erzählendes Foto wirft Fragen auf oder gibt Antworten. Man sieht nicht nur, was passiert, sondern auch warum und was davor geschah oder folgen wird. Das Bild ist kein Zufallsprodukt – es ist sorgfältig aufgebaut.
Denk an ein Mädchen im Gegenlicht, das mit einem Stofftier in der Hand über eine verlassene Bahntrasse läuft. Oder einen Mann im Regen, der auf einen leeren Stuhl gegenüber auf einer Terrasse starrt. Man spürt die Geschichte, ohne dass etwas erklärt wird.
💡 Es beginnt mit einer Idee
Bei mir beginnt jedes erzählende Foto mit einem Bild in meinem Kopf. Das kann aus einer Erinnerung, einem Musikstück, einer Filmszene oder einfach etwas, das ich auf der Straße sehe, entstehen. Ich stelle mir dann ein paar einfache Fragen:
-
Was möchte ich erzählen?
-
Welche Emotion passt dazu?
-
Welche Umgebung passt am besten dazu?
Schreib diese Idee auf. Mach eine Mini-Skizze oder Mindmap daraus. Das ist dein Konzept.
🛠 Die Vorbereitung – kein Detail ist Zufall
Bei der erzählenden Fotografie arbeitet man nicht impulsiv. Alles dreht sich um Regie. Dies sind meine Schritte:
-
Standortwahl – der Ort muss die Geschichte verstärken. Verlassene Fabrik, belebte Stadt, intimes Wohnzimmer – jeder Ort erzählt etwas.
-
Licht – nutze natürliches Licht, die goldene Stunde oder Kunstlicht, um Atmosphäre zu schaffen. Licht ist Emotion.
-
Model – arbeite mit jemandem, der versteht, was du vermitteln möchtest. Keine Posen, sondern echter Ausdruck.
-
Requisiten – wähle bewusst aus. Ein Buch, ein kaputter Regenschirm, eine leere Weinflasche – sie alle sind Elemente deiner Geschichte.
-
Kleidung und Styling – stimme Farben und Texturen auf dein Thema ab. Subtil, aber durchdacht.
🎯 Während des Shootings – Regie mit Spielraum
Lass Raum für Spontanität, aber behalte deine Idee im Auge. Gib deinem Model klare Anweisungen zum Gefühl anstatt zur Haltung. Also lieber „Du wartest auf jemanden, der zu spät kommt“ als „Schau traurig“.
Arbeite mit verschiedenen Kadrierungen:
-
Weitwinkel für den Kontext
-
Medium Shot für Interaktion
-
Close-up für Emotionen
Und achte auf den Hintergrund! Alles in deinem Bild muss zur Geschichte beitragen – oder zumindest nicht ablenken.
🖼 Nachbearbeitung – die Geschichte verstärken
In der Nachbearbeitung entscheide ich mich bewusst für Farbe oder Schwarz-Weiß. Beides hat eine andere Wirkung. Spiele mit Kontrast, Farbtönen und Vignettierung, um den Fokus zu legen. Aber: Halte es subtil. Das Foto muss atmen.
Mein Tipp: Bearbeite mit dem Gefühl der Szene im Hinterkopf. Nicht mit der Idee, dass es „schön“ werden muss, sondern dass es stimmt.
🧩 Schritt-für-Schritt-Ansatz
Hier ist eine kurze Checkliste, die ich selbst verwende:
-
Denk dir deine Geschichte aus – in einem Satz
-
Wähle einen passenden Ort
-
Regel Model und Styling
-
Bestimme Licht und Zeitpunkt
-
Arbeite mit klarer Regie
-
Mache Variationen in der Bildausschnittwahl
-
Bearbeite gezielt und bewusst
🌟 Lass deine Fotos sprechen
Erzählende Fotografie ist keine Technik, es ist eine Art zu sehen. Eine Art, in Bildern zu denken. Wenn du das tust, wirst du plötzlich merken, wie jede Straße, jedes Gesicht und jeder Lichtstrahl voller Geschichten steckt.
Wage es zu erschaffen. Wage es zu lenken. Und vor allem: wage es zu erzählen.
Viel Erfolg,
Marcello
Möchtest du das in der Praxis lernen? In meinen Workshops arbeite ich regelmäßig mit Storytelling in der Fotografie. Komm vorbei, probiere es selbst aus und lass dich von deiner eigenen Bildkraft überraschen.